Wenn ein Event live läuft, ist Alexander Kurreck derjenige, der entscheidet, was das Publikum sieht. Nicht irgendwann – jetzt. In diesem Moment. Auf der Leinwand. Wenn er die falsche Präsentation zeigt oder die falsche Bauchbinde einblendet, sehen es alle. Es gibt keine zweite Chance, keinen Rückruf, kein „Moment, kurze Unterbrechung".
Alexander ist Bildmischer und seit fast vier Jahren bei Jakobs Medien GmbH. Bei der UN-Klimakonferenz COP in Belém (Brasilien) saß er nicht vor Ort, sondern in Berlin – in einem Remote-Studio, das in Echtzeit das Sendebild für alle Streams gestaltete. Und er arbeitete dabei mit iveo.
Wir haben ihn gefragt, wie das aussieht, wenn eine Veranstaltung läuft, der Plan sich ändert und man trotzdem keine Fehler machen darf.
👤 Zur Person: Wer ist Alexander Kurreck?
Alexander hat 2018 seine Ausbildung als Mediengestalter begonnen und 2020 abgeschlossen. Danach hat er in einem Kameraverleih große Fernsehproduktionen und Multikameraproduktionen betreut, war in der Werbung, im Regionalfernsehen und beim Radio. Seit fast vier Jahren arbeitet er bei Jakobs Medien GmbH in Berlin – mit Schwerpunkt auf Live-Produktionen.
„Ich hab mich Richtung Live orientiert, weil ich das irgendwie mehr mag als klassische Setarbeit und klassische Filmsets."
Live bedeutet: kein Netz unter ihm. Was passiert, passiert. Und was auf der Leinwand zu sehen ist, entscheidet er.
🎬 Was macht ein Bildmischer eigentlich?
Die meisten Menschen, die eine Konferenz besuchen oder einen Livestream schauen, sehen das Ergebnis. Sie sehen ein sauber geschnittenes Bild, einen Namen am unteren Bildrand, einen ruhigen Übergang zwischen Kamerawinkel und Präsentation. Was sie nicht sehen: die Person, die das in Echtzeit zusammensetzt.
„Bildmischung ist – am Schluss sorge ich für das Sendebild. Ich habe mehrere Quellen: Kameras, PowerPoint-Präsentationen, Logos. Die misch ich alle zusammen und sorge dafür, dass der Zuschauer am Schluss ein fertig gestyltes Bild hat, wo Bauchbinden mit drin sind – Name und Funktion der Leute –, dass wir einen ordentlichen Einstieg in den Stream haben."
Bei der COP war das Setup noch eine Ebene komplexer: Kameramischung vor Ort in Belém, Bildgestaltung und Streaming aus Berlin. Alexander und sein Team übernahmen die grafische Schicht – Bauchbinden, Hintergründe, Grafiken – aus einem Remote-Studio.
„Wir haben den Luxus, dass wir das trennen können. Die Kolleg:innen vor Ort kümmern sich um die Kameras, wir kümmern uns um das, was nachher noch obendrauf soll. Das entlastet alle."
Wie viele Kameras? Bis zu vier. Wie schnell müssen Entscheidungen fallen? In Sekundenbruchteilen.
„Mit drei Kameras kommt man schon sehr weit. Eine Überblickskamera, die die Situation zeigt. Zwei Kameras für Close-ups. Ich finde es immer sehr schön, wenn wir Zuhörer:innen zeigen – die Reaktionen sagen oft mehr als das Statement selbst."
🗂️ Wie es früher lief: Material, Versionen, Chaos
Bevor iveo Teil des Workflows war, war die Vorbereitung auf eine Veranstaltung vor allem eines: eine Sammlung.
„Man kriegt sehr viel unterschiedliches Material und muss sich das bündeln. Manche können nichts in Google Drive laden, dann haben die eine eigene Cloud, wo man sich wieder anmelden muss. Dann gibt es irgendwo einen SharePoint, dann irgendwo noch was anderes, da noch ein Querverweis."
Das Ergebnis: ein lokaler Ordner auf dem Rechner mit Dateien, die alle ähnlich heißen, aber nicht alle gleich aktuell sind. Und das Wissen, dass irgendwo zwischen dem letzten Stand und dem Moment, in dem die Veranstaltung beginnt, noch eine neue Version kommen wird.
„Du musst auch mit verschiedenen Versionen klarkommen. Kommt eine neue Version vom Kunden, musst du das überschreiben – und musst sichergehen, dass die neueste Version auch wirklich eingeladen ist. Es ist ein permanentes Abchecken: Habe ich alles? Habe ich nicht?"
Und während die Veranstaltung läuft? Kommen Speaker mit überarbeiteten Präsentationen. Direkt vor dem Auftritt. Manchmal während der Veranstaltung.
„Dann muss man während die Veranstaltung läuft parallel noch Material einladen und gucken, wie man sicherstellt, dass das auch die richtige Version ist."
⚠️ Die Reihenfolge-Anekdote: Was passiert, wenn niemand Bescheid sagt
Alexander erzählt eine konkrete Situation. Eine Veranstaltung mit Kurz-Pitches. Die Reihenfolge wird kurzfristig geändert – ohne dass jemand dem Technikteam Bescheid gibt.
„Die Moderation hat gesagt: Ich rufe jetzt einfach die Liste so auf, wie ich sie aufgeschrieben habe. Und wir hatten auf dem Regieplan eine andere Aufstellung. Da musst du dann reagieren."
Reagieren bedeutet: improvisieren. Ein neutrales Bild auf die Leinwand geben, während man versucht, aus acht Präsentationen im Ordner die richtige zuzuordnen – ohne zu wissen, wer gerade vorne steht.
„Du kannst anhand vom Regieplan nicht sehen, wer das jetzt eigentlich gerade ist. Das ist jemand, der aus acht Leuten quasi aufgerufen wurde."
Das Ergebnis: Eine kurze Unterbrechung, die sich nicht komplett vermeiden lässt. Ein Moment, den man als Techniker nicht haben will. Live, auf der Leinwand.
„Da kommst du nicht sauber raus. Das ist dann immer so ein bisschen mit Schwimmen kombiniert."
💡 Der erste Kontakt mit iveo: COP27 in Sharm el-Sheikh
Das erste Mal, dass Alexander mit iveo – damals noch in einer frühen Form – gearbeitet hat, war bei der COP27 in Sharm el-Sheikh.
„Das war ein Grundgerüst von iveo, damals noch ohne den Namen. Da konnte man schon PowerPoints hochladen und Namen der Speaker eintragen – wer da ist und was die für eine Funktion haben."
Was ihn sofort überzeugt hat: eine CSV-Datei mit allen Namen in einer strukturierten Form, die direkt in die Bildmischsoftware eingespielt werden konnte. Kein Abtippen, kein Kontrollieren, ob man sich vertippt hat.
„Ich muss nicht krass kontrollieren: Habe ich jetzt alle Namen zusammen? Habe ich die auch richtig geschrieben? Sondern: Ich lade mir die Datei runter, ziehe die rein, und gleichzeitig lade ich die PowerPoints runter. Das war schon ein großer Vorteil."
Alexander ist – das sagt er selbst – ein Automatisierungsfan. Kein blindes Vertrauen, aber eine klare Haltung: Wiederkehrende manuelle Prozesse sind fehleranfällig.
„Bei wiederkehrenden Aufgaben macht man schnell mal einen Fehler, weil man blind wird für das, was man da gerade macht. Du machst immer Copy and Paste – und irgendwann achtest du nicht mehr drauf, ob du auch wirklich das Richtige reinkopiert hast."
iveo war für ihn kein auferlegtes Tool. Es war eine Antwort auf ein Problem, nach dem er selbst gesucht hatte.
🖥️ iveo am Bildmischpult: So sieht der Workflow live aus
Bei der COP in Belém – COP30, die erste Konferenz, bei der iveo vollständig implementiert war – lief der Workflow für Alexander so:
„iveo ist bei uns immer auf mindestens einem Bildschirm. Ich sitze relativ zentral in der Regie, habe mehrere Monitore um mich herum. Auf einem nahen Bildschirm habe ich iveo drauf – die Director's View. Die folgt dem, was Christoph an seinem Rechner durchklickt. Wenn er das nächste Event rausgibt, ploppt bei uns auch das nächste Event auf."
Das Ergebnis: Alexander und sein Team sind immer genau auf demselben Stand wie der Regisseur. Nicht annähernd. Nicht mit fünf Minuten Verzögerung. Exakt dieselbe Information, im selben Moment.
🔢 Die ID: Schnelle Kommunikation ohne Missverständnisse
Jeder Programmpunkt in iveo hat eine ID. Eine kurze Zahl. Das klingt nach einem kleinen Detail – ist aber ein echter Gamechanger bei einer Veranstaltung mit vielen Events am Tag.
„Die ID ist wichtig, damit wir schnell miteinander über die Veranstaltung sprechen können. Dass man nicht immer irgendeinen kompletten Titel vorlesen muss, sondern einfach sagen kann: Wir sind jetzt bei ID 42. Wenn jemand sagt, ich bin bei ID 38 und alle sind schon bei 40, dann kann man das sehr schnell korrigieren."
📸 Fotos statt Googeln: Personen sicher zuordnen
Bildmischer:innen kennen nicht alle Expert:innen und Politiker:innen, die auf einem Panel sitzen. Das ist kein Problem – außer wenn man nicht weiß, welche Person auf dem Podium gerade welche Person in der eigenen Präsentationsliste ist.
„Ich hatte früher immer noch einen Rechner offen und habe parallel den Namen schnell gegoogelt, damit ich vorher schon zuordnen kann: Wer ist das, und wem gebe ich welche Bauchbinde? Man möchte ja nicht falsch taufen."
In iveo sind die Fotos der Speaker direkt in jedem Programmpunkt hinterlegt.
„Man hat die Bilder, kann sehen: Die Person ist da, die ist da, die ist da. Das erleichtert die Arbeit sehr."
⚡ Bauchbinden per Klick – und HTML5-Grafiken, die sich selbst aktualisieren
Was früher bedeutete: aus fünfzig vorbereiteten Grafiken die richtige suchen, oder eine Person manuell nachtragen, ist mit iveo ein Klick.
„Wir sehen die gesamte Besetzung des Panels und können die Bauchbinden vorlegen. Entweder wir klicken selbst, oder Christoph klickt – und wir sehen es. Ich kann guten Gewissens die Bauchbinde reingeben, wenn ich sehe, dass sie sich aktualisiert hat."
Noch einen Schritt weiter gehen die HTML5-Grafiken: Programm-Anzeigen, Hintergründe für Bildschirme im Saal, Tagesübersichten. Sie werden als Webseiten ausgespielt und aktualisieren sich automatisch, wenn ein Programmpunkt in iveo auf live gesetzt wird.
„Das heißt: Ich muss nicht mehr korrigieren, ob das gerade das Richtige ist. Ich muss nicht mehr meiner Grafik-Kollegin zurufen, kannst du mir bitte noch den Programmpunkt rausnehmen. Es aktualisiert sich einfach alles, ohne dass ich irgendwas machen muss. Dadurch habe ich mehr Zeit, um mich auf die Veranstaltung vorzubereiten."
✅ Die Versionsfrage ist gelöst
Eine der größten Quellen von Unsicherheit war früher: Ist das die aktuellste Präsentation? Hat der Kunde noch was geändert? Habe ich die neueste Version?
„Das, was ich mir runterlade, entspricht dem, was der Kunde vorher hochgeladen hat. Wenn es die Version 15 ist, dann ist es die 15. Version – und nicht die zehnte, die ich aus Versehen noch drinhabe und nicht überschrieben habe."
🤝 Die Zusammenarbeit mit Christoph: Weniger sprechen, besser arbeiten
Christoph Borstel – Regisseur und Gesprächspartner in Teil 1 dieser Serie – hat in seinem Interview von zwölf Excel-Versionen gesprochen, die im Umlauf waren und die niemand mehr geordnet bekam. Alexander erlebt das als Bildmischer von der anderen Seite.
„Christoph hatte im Interview erzählt, dass früher zwölf Excel-Versionen im Umlauf waren. Genau das stimmt. Es sorgt auch für weniger Datenmüll. Nach der Veranstaltung hatte man irgendwie drei Ordner voll mit Regieplänen, mit Content, mit Videos, die man ganz oft geändert hatte."
Mit iveo gibt es eine einzige Quelle der Wahrheit. Und der Effekt auf die Kommunikation zwischen Regie und Bildmischung ist konkret messbar:
„Ich würde das als Zeitkompression beschreiben. Ich komprimiere die Zeit, die ich brauche, um die Veranstaltung vorzubereiten – von 20 Minuten auf 5 Minuten. Ich habe mit Christoph deutlich weniger gesprochen. Nicht mehr im Einzelnen: Habt ihr das, habt ihr das? Sondern: einmal kurz reingeschaut, Präsentation liegt vor, alles klar, weiter."
Das ist kein Luxus. Bei der COP ist eine „halbe Stunde Pause" in Wirklichkeit eine halbe Stunde Vorbereitung für die nächste Veranstaltung: Material prüfen, Technik testen, Dolmetscher-Kanäle abstimmen, Kamerabilder checken.
„Wir haben im Endeffekt vielleicht 10 Minuten Pause, die wir wirklich nutzen können. iveo gibt uns die andere Hälfte zurück."
🎙️ Wann sprechen Regie und Bildmischung noch miteinander?
Die Kommunikation über Funk oder Headset bleibt – aber sie wird auf das Wesentliche reduziert.
„Alle können iveo aufmachen und sehen, wo wir unterwegs sind. Dann müssen sie mich nicht permanent fragen: Was ist das jetzt für ein Programmpunkt? Welche Stage ist das? Was soll ich jetzt gerade ausspielen? Diese Fragen stellen sich nicht mehr – weil die Information da ist."
Für Christoph bedeutet das: weniger Koordinationsaufwand. Für Alexander: mehr Zeit und Kapazität für das, was er wirklich tut.
„Ich muss mich nicht mehr darum kümmern, dass alles aktuell ist. Ich kann davon ausgehen, dass es aktuell ist – und mich auf meinen Job konzentrieren."
🏁 Fazit: Weniger Stress. Mehr Sicherheit.
Wenn Alexander den Unterschied in einem Satz zusammenfasst, klingt das wie folgt:
„Weniger Stress und mehr Sicherheit. Das ist mein Fazit." Alexander Kurreck, Bildmischer, Jakobs Medien GmbH
Sicherheit ist das Wort, das er im Interview mehrfach verwendet. Nicht als Versprechen – sondern als Beschreibung einer Veränderung, die er konkret spürt.
„Man hat ein anderes Sicherheitsgefühl, wenn man davon ausgehen kann, dass da alles da ist. Klar, es kann auch mal einen Bug geben. Aber ich habe ja immer noch einen Kontrollblick. Und ich kann mich weitestgehend drauf verlassen – und muss mich nicht drum kümmern, dass da alles da ist."
Kein Fehler bei der COP in Belém. 40 bis 50 Events. Berlin ↔ Belém. Remote. Ohne iveo wäre das ein Blindflug gewesen.
„Wir hatten einfach keinen Fehler. Weil wir durch iveo immer auf dem neuesten Stand waren."
Und für wen ist das relevant – nicht nur für Bildmischer:innen wie Alexander?
„Für jeden, der Veranstaltungen macht, wo sich Settings verändern, wo Content von verschiedenen Stellen angeliefert wird, wo sich an einem Tag öfter mal die Bühne verändert. Ab da macht iveo Sinn. Das heißt: eigentlich fast jede Veranstaltung."
🔗 Alle Rollen, eine Plattform
Das Gespräch mit Alexander zeigt etwas, das Christophs Interview aus einer anderen Perspektive bestätigt: iveo funktioniert nicht nur für die Person, die den Überblick hat – es funktioniert auch für die Person, die am Pult sitzt und in Echtzeit umsetzt. Die Information kommt an. Auf beiden Seiten. Im selben Moment.
Wenn du selbst Techniker:in in der Eventproduktion bist und wissen willst, wie iveo in deinem Workflow aussehen könnte, schau dir unsere Seite für Techniker:innen an – oder starte direkt mit einem kostenlosen Test.
Und wenn du noch nicht gelesen hast, was Regisseur Christoph Borstel über seine Seite der Zusammenarbeit erzählt: hier geht es zu Teil 1 der Serie.
📋 Über Alexander Kurreck
Alexander Kurreck ist Bildmischer und seit fast vier Jahren bei der Jakobs Medien GmbH in Berlin. Er hat eine Ausbildung als Mediengestalter absolviert und sich früh auf Live-Produktionen spezialisiert – von Multikameraproduktionen im Fernsehen bis zu internationalen Konferenzen. Bei der UN-Klimakonferenz COP arbeitet er als Teil des Remote-Studios in Berlin und verantwortet die Bildgestaltung und das Streaming der offiziellen Streams.
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