Tausende Zuschauer:innen schauen auf die Leinwand. Das Bild, das sie sehen, hat in diesem Moment ein Mensch entschieden, in Sekundenbruchteilen. Genau dieser Job ist Alex’ Alltag in der Bildmischer-Event-Produktion: Er sitzt am Bildmischpult, mischt Kameras, Präsentationen und Grafiken zu einem Sendebild und sorgt dafür, dass am Ende alles passt.
Alexander Kurreck ist Regietechniker und Bildmischer bei Jakobs Medien. Bei der COP-Konferenz hat er gemeinsam mit Regisseur Christoph an der Bildregie gearbeitet. Zum ersten Mal kam dabei in großem Stil iveo zum Einsatz.
Im Interview erklärt er:
- Warum am Bildmischpult jede veraltete Information sofort sichtbar wird
- Wie der Echtzeit-Regieplan seine Vorbereitungszeit von 20 auf 5 Minuten verkürzt
- Was „Zeitkompression” für ein Live-Team in der Eventproduktion konkret bedeutet
Das ist die zweite Folge unseres Formats Backstage by iveo. In Teil 1 erzählt Regisseur Christoph Borstel, wie er mit iveo alle Gewerke zusammenbringt und der Excel-Schlacht ein Ende setzt: Zum Interview mit Christoph.
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Was macht ein Bildmischer bei einer Konferenz wie der COP?
Wenn Alex seinen Job in einem Satz beschreiben soll, klingt das so: „Ich sorge am Schluss für das Sendebild. Ich habe mehrere Quellen, also Kameras, PowerPoint-Präsentationen und Logos, und mische die alle zusammen, sodass der Zuschauer am Ende ein fertig gestyltes Bild hat.”
Was nach einem technischen Detail klingt, ist im Grunde der sichtbarste Job der ganzen Produktion. Während der Regisseur den Gesamtüberblick behält und die Gewerke koordiniert, sitzt der Bildmischer dort, wo Entscheidungen unmittelbar zur Realität auf der Leinwand werden. Bei einer Veranstaltung wie der COP heißt das: mehrere parallele Kamerasignale, Picture-in-Picture für Zuschaltungen, Bauchbinden, Logos, Hintergrundgrafiken. Alles in Echtzeit.
Alex hat 2018 seine Ausbildung in der Medienbranche begonnen, 2020 abgeschlossen und sich danach ganz bewusst Richtung Live-Produktion orientiert. „Klassische Fernsehproduktionen sind nicht mein Ding”, sagt er. Live ist sein Format. Und Live verzeiht nichts.
Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur beschreibt er als Tandem. Christoph gibt vor, was als Nächstes kommt; Alex setzt es im Sendebild um. Wenn die Information rechtzeitig da ist, sieht es niemand. Wenn sie fehlt, sehen es alle.
„Wenn die Info zu spät kommt, sieht es jeder. Live auf der Leinwand.”
Bevor iveo bei seinen Produktionen im Einsatz war, lief die Vorbereitung wie an vielen Live-Setups: „Man sucht sich das Material, man kriegt sehr viel unterschiedliches Material, muss sich das dann bündeln. Das macht zum Glück oft die Projektleitung, muss aber manchmal auch ich machen.”
Das eigentliche Problem entsteht aber nicht in der Vorbereitung, sondern in den Sekunden vor einem Programmpunkt. Speaker werden ausgetauscht, Reihenfolgen geändert, Präsentationen kurzfristig durch neue Versionen ersetzt. Wenn diese Änderungen nicht am Pult ankommen, hat das eine sehr unmittelbare Konsequenz, die Alex in einem einzigen Bild zusammenfasst:
„Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn nachher die präsentierende Person vorne am Rednerpult steht und sagt: Das ist ja gar nicht meine aktuelle Präsentation.”
Das ist der Bildmischer-Albtraum in Reinform. Anders als beim Regiepult ist im Bildmischpult kein Puffer drin. Was Alex auswählt, geht raus. Live, auf alle Streams, auf alle LED-Walls im Raum.
Erschwerend kommt bei einer Veranstaltung wie der COP der Zeitdruck dazu: mehrere Events am Tag, enge Wechsel, internationale Speaker, parallele Programmstränge. „Bei wiederkehrenden Aufgaben macht man schnell auch mal einen Fehler, weil man blind wird für das, was man da gerade macht”, sagt Alex. „Du machst immer Copy and Paste, und dann achtest du nicht mehr drauf, ob du jetzt überhaupt das Richtige reinkopiert hast.”
Genau an dieser Stelle setzt iveo an.
iveo auf dem Monitor neben dem Mischpult
„Bei der COP hatten wir das erste Mal iveo so richtig voll implementiert. iveo ist bei uns dann immer auf mindestens einem Bildschirm, eigentlich auf zwei, wo ich zumindest sehen kann, was gerade passiert. Und der folgt am Schluss dem, was Christoph an seinem Rechner durchklickt.”
Das ist der Punkt, an dem aus einer Software ein Werkzeug für die Bildregie wird: ein eigener Monitor neben dem Mischpult, auf dem in Echtzeit der Regieplan läuft. Alex sieht das tägliche Programm. Der aktuell laufende Punkt ist gehighlightet. Pressekonferenzen, Panels, Side-Events. Alles in einer Ansicht.
Der entscheidende Moment kommt, wenn ein Speaker live geschaltet wird:
„Wenn ich sehe, dass da steht ‚live’, dann weiß ich: Diese Grafiken sind aktuell. Dann weiß ich, das sind die richtigen Bauchbinden. Und dann weiß ich auch: Das ist die richtige Präsentation.”
Vorher musste Alex sich aus 50 vorbereiteten Bauchbinden die richtige heraussuchen, eigene Hintergrundgrafiken pflegen und bei jeder Änderung neu raussuchen. „Heute machen wir das nicht mehr so. Sobald der nächste Programmpunkt von Christoph live gesetzt wird, geht er raus auf die verschiedenen Kanäle. Die kann ich mir mit meinem Bildmischer abgreifen und mit gutem Gewissen reingeben, weil ich weiß, dass das der aktuellste Stand ist.”
Auch bei kurzfristigen Personenänderungen läuft das genauso: „Wenn eine Person angeklickt wurde, wird auch automatisch die Bauchbinde für diese Person erzeugt. Ich sehe, die Bauchbinde hat sich aktualisiert, und ich kann sie einfach guten Gewissens reingeben.”
Selbst der „Pink Day” bei der COP, ein Tagesthema, für das das Branding auf den Lobby-Bildschirmen kurzfristig angepasst wurde, war kein Problem: „Sowas ist natürlich geil. Dann kann ich einfach sagen: Ich nehme den gleichen Slot, ich muss nichts an der Grafik ändern, das wird im Hintergrund gemacht.”
Mehr über den Echtzeit-Regieplan auf der Funktionsseite Regieplan & Bühnen.
Dieselbe COP, zwei Perspektiven: Christoph am Regieplatz, Alex am Mischpult
Christoph hat im ersten Teil dieser Serie erzählt, wie früher zwölf Excel-Versionen im Umlauf waren und keiner mehr wusste, welche aktuell ist. Alex bestätigt das aus der Bildmischer-Perspektive: „Vorher hat man immer sehr viel Zeit damit verbracht, vor der Veranstaltung miteinander zu sprechen, die Sachen detailliert durchzusprechen, sich gegenseitig den Content zu zeigen und zu sagen: Okay, ist das jetzt das Richtige oder nicht?”
Mit iveo verändert sich genau dieses Vorgespräch:
„iveo verkürzt das. Wie man bei KI gerne sagt: Es ist Zeitkompression. Ich komprimiere die Zeit, die ich brauche, um diese Veranstaltung vorzubereiten. Von 20 Minuten auf fünf Minuten.”
Das klingt zunächst nach Effizienzgewinn, ist aber in Wahrheit ein Sicherheitsgewinn. Alex hatte im Interview einen treffenden Satz: „Ich muss nichts machen. Wir mussten weniger sprechen.” Statt sich gegenseitig den Content zu zeigen, schaut er einmal kurz in iveo: Präsentation angekündigt, liegt vor, alles klar. Weiter.
Auch der Datenmüll am Ende einer Produktion verschwindet: „Du hast nachher alles lokal auf dem Rechner. Drei Ordner voll mit Regieplänen, Content, Videos. Mit iveo lädt der Kunde das einfach selbstständig hoch, ich lade es runter und ersetze das. Weniger Müll am Schluss.”
Für freiberufliche Bildmischer:innen und Agenturen, die mit wechselnden Teams arbeiten, ist genau das der Hebel: Ein gemeinsamer Wahrheitspunkt, der weniger Funkverkehr, weniger Doppelkommunikation und weniger Vor-Ort-Stress bedeutet. Was iveo für Techniker:innen und Agenturen konkret bedeutet, haben wir auf den entsprechenden Lösungsseiten zusammengefasst.
„Ich weiß jetzt vorher, was kommt, nicht erst, wenn es zu spät ist.”
Wenn Alex das Ergebnis in einem Satz zusammenfassen muss, fällt der Satz, der für viele Bildmischer:innen zur kleinen Erlösung werden dürfte:
„Weniger Stress und mehr Sicherheit. Mehr Ruhe, mehr Sicherheit. Das ist mein Fazit.”
Relevant ist iveo für ihn nicht nur in der eigenen Rolle: „Alle sind eher auf demselben Dampfer. Es sorgt dafür, dass die Informationen besser verteilt sind, immer live verteilt sind, alles sich aktualisiert. Ich glaube, dass der Regisseur am Schluss weniger Arbeit hat. Man kann sich auf seinen Job konzentrieren.”
Für Alex, der Automatisierungs- und Vereinfachungs-Fan ist, ist das die eigentliche Pointe: nicht weniger Kontrolle, sondern weniger Reibung.
Fazit
Drei Erkenntnisse aus dem Gespräch mit Alex:
- Im Bildmischpult sieht man jede veraltete Info sofort. Anders als an vielen anderen Stellen der Produktion gibt es hier keinen Puffer.
- Ein Echtzeit-Regieplan ersetzt das nervöse Vorgespräch. Ein Blick auf den Monitor neben dem Mischpult genügt, um zu sehen, ob Bauchbinde, Präsentation und Speaker stimmen.
- Weniger Vorbereitungszeit ist kein Selbstzweck, sondern entlastet ein ohnehin hoch belastetes Live-Team.
Schau dir das vollständige Interview in der zweiten Folge von Backstage by iveo an. Mehr Hintergrund zur UN Climate Change Conference (COP) gibt es bei der UN.
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